Smash Patriarchy

Internationaler Frauen*kampftag

Wie "Smash Patriarchy"?! Das Patriarchat ist doch (in Österreich) schon lange abgeschafft und Männer* und Frauen* sind doch eh schon gleichberechtigt, oder nicht? Ähm nein, leider nicht.

Das zeigt sich in so vielen unterschiedlichen Situationen des gesellschaftlichen Alltages, dass es mir schwer fällt überhaupt zu entscheiden, wo ich da am besten anfangen soll. Beginnen wir im Supermarkt und bei Dingen, die wir alle brauchen: Ein Rasierer zum Beispiel. Wusstest du, dass es besonders bei Hygieneprodukten einen deutlichen Preisunterschied zwischen "Produkten für Männer" und "Produkten für Frauen" gibt und das obwohl sich die Produkte oft nur in der Farbe (meist pink und blau) unterscheiden? Das nennt man "Pink Tax". Eine Studie aus New York aus dem Jahr 2015 ergab, dass Frauen* rund 13 Prozent mehr für Kosmetik- und Hygieneprodukte zahlen müssen als Männer*. Bei Kleidung liegt der Preisunterschied bei ca. 8 Prozent. Total unfair, oder?

Beachtet man hierbei, dass Frauen* im Schnitt immer noch weniger verdienen als Männer in gleichrangigen Positionen, ist die Pink Tax gleich noch viel ungerechter. Und es ist leider immer noch Fakt, dass Frauen* gut 20 Prozent weniger verdienen als Männer. Das nennt man "Gender Pay Gap". Generell haben es Frauen* im Berufsleben vergleichsweise schwerer, besonders deswegen, weil sie immer noch den Großteil der Kinderbetreuung, der Pflege und des Haushalts übernehmen müssen. Der Anteil von Frauen* in Teilzeitbeschäftigung liegt nicht zuletzt deshalb bei knapp 48 Prozent (Stand: 2018). Unbezahlte Arbeit (also Kinderbetreuung, Haushalt, Pflege etc.) führt leider auch sehr oft dazu, dass viele Frauen* in die Altersarmut gedrängt werden. Der Unterschied bei der Höhe der Pension zwischen Mann* und Frau* lag 2019 bei unglaublichen 43 Prozent. 

"Grab them by the pussy. You can do anything," sagte vor nicht allzu langer Zeit der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump. Wie unfassbar ekelhaft! Und doch ist dieses Zitat des orangen Neandertalers nur ein weiteres Zeichen dafür, welche Machtposition (besonders weiße) Männer immer noch inne haben. Denn was ist nach diesem Sager passiert? Nichts. Trump wurde trotzdem zum Präsidenten gewählt. Und auch wenn die #MeToo-Bewegung einiges im kollektiven Denken verändert hat, so wird sexistisches Verhalten leider immer noch bagatellisiert, also verharmlost. Tragisch sind hierzu auch die Zahlen, wenn es um sexuelle Belästigung geht. Denn 74,2 Prozent aller Frauen* im Alter zwischen 16 und 60 Jahren geben an, schon einmal sexuell belästigt worden zu sein. Ein Drittel aller Frauen* wurde bereits Opfer sexueller Gewalt. Das ist einfach untragbar! Noch unfassbarer ist die Tatsache, dass gerade bei sexueller Belästigung sehr häufig eine Täter-Opfer-Umkehr stattfindet, wie man z.B. im Fall von Sigi Maurer (NAbg., Die Grünen) deutlich sieht.

Ich könnte jetzt noch unzählige andere Beispiele aufzählen, die die Diskriminierung von Frauen* durch ein patriarchales, kapitalistisches System statistisch belegt. Aber wozu? Die Fakten liegen seit Jahren auf der Hand. Und doch bewegt sich nur sehr wenig. Die Werbeindustrie verbreitet weiterhin sexistische Inhalte, die Frauen oftmals nur als Sexobjekte darstellen und de facto oft nichts mit dem Produkt zu tun haben. Frei nach dem bewährten Motto "Sex sells". Konservative und rechte Parteien predigen gebetsmühlenartig das völlig überholte Familienbild von Vater-Mutter-Kind, in dem die Mama kocht, wäscht und die Kinder erzieht und der Papa die Moneten nach Hause bringt. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen und doch dürfen wir nicht locker lassen. Denn auch wenn die Veränderung sehr träge vor sich geht - es hat sich seit Beginn der Frauen*bewegung trotzdem einiges getan.

Deshalb sagen wir als Rote Falken Österreich am 8. März 2020 einmal mehr: "Smash Patriarchy!" Zerschlagt das Patriarchat - Niemand hat es verdient aufgrund seines Geschlechts diskriminiert zu werden. Nicht im Job. Nicht in der Schule. Nicht auf der Straße. Und nicht in der Familie. Einen Penis zu haben ist keine Leistung - kein Faktor für besseren Lohn, fairere Arbeitsbedingungen oder mehr Chancen im Leben. Wir werden nicht müde werden Tag für Tag auf die Missstände in unserer Gesellschaft hinzuweisen. So lange bis es endlich wahre Gleichberechtigung zwischen Männern* und Frauen* gibt. Denn der Kampf gegen das Patriarchat ist erst dann gewonnen, wenn der letzte Mann* verstanden hat, dass er seine Privilegien nur deswegen hat, weil Frauen* diskriminiert werden.

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